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FAIRER HANDEL - ein Beitrag zur Umsetzung einer LOKALEN AGENDA 21
 
Global denken – Lokal handeln
Dieses Leitwort hat 1992 eine Gruppe von Menschen bewegt, unseren Verein zu gründen.
Wir wollen so dazu beitragen, das Aktionprogramm „ Lokale Agenda 21“ umzusetzen.
Die Agenda 21 ist ein Programm für eine Entwicklung, die allen Menschen erstrebenswerte Zukunftsperspektiven eröffnet. Als 1992 in Rio de Janeiro die UN-Gipfelkonferenz zum Thema Umwelt und Entwicklung stattfand, wurde von der Erkenntnis ausgegangen, daß die unveränderte Fortführung der Lebens-und Wirtschaftsweise der reichen Industriegesellschaften die ökologische Belastbarkeit der Erde sprengen würde. Sie ist eine ökologische und soziale Fehlentwicklung, da sie zunehmend ihre eigenen natürlichen Grundlagen zerstört. Die reichen Länder dürfen nicht wie bisher auf Kosten der südlichen Länder und der zukünftigen Generationen leben und wirtschaften. Da aber alle Menschen der Welt ein Recht auf angemessene Lebensverhältnisse und Entwicklung haben, müssen neue ökologisch und sozial verträgliche Entwicklungswege gesucht werden. Hierzu hat die Rio-Konferenz den Begriff der nachhaltigen oder auch zukunftsfähigen Entwicklung geprägt, wobei nachhaltig alle solche Maßnahmen genannt werden, die dazu beitragen, die natürlichen Lebensgrundlagen für die nachfolgenden Generationen zu sichern. Der „Faire Handel“ ist ein nachhaltiges Konzept. In der Präambel der Agenda 21 heißt es: „Die Agenda 21“ bedeutet den Beginn einer qualitativ neuen, weltweiten Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung“.Weltläden setzen sich schon seit über 25 Jahren für mehr „globale Partnerschaft“ ein. Wir sind uns bewußt, welche negativen Folgen unser Konsum für die Menschen im Süden und für uns haben kann. Deshalb zeichnen sich die Waren im Fairen Handel durch Sozial- und Umweltverträglichkeit aus.

Fairer Handel – Respekt für Mensch und Umwelt
Die 2.500 Weltläden in Europa richten ihren Handel nach folgenden Prinzipien aus:
Ein fairer Preis: unsere ProduzentInnen erhalten einen guten Preis für ihr Produkt, der ein sicheres Einkommen, ein Leben in Würde und den Schutz der Umwelt ermöglicht.
Kontinuität: langfristige Zusammenarbeit erlaubt den Aufbau und die Weiterentwicklung der Partnerorganisationen. Die Produktion des Fairen Handels findet unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und unter weitgehender Mitbestimmung der ArbeiterInnen statt.
Soziale Absicherung: Fairer Handel bemüht sich um die soziale Absicherung der ArbeiterInnen und um die besondere Förderung von Frauen und Kindern.
Beratung: die ProduzentInnen erhalten Unterstützung bei der Entwicklung biologischer Produkte, umweltfreundlicher Anbau- und Herstellungsmethoden sowie bei der Exportabwicklung.

Konsumverhalten: Gut leben statt viel haben?! Beispiel Schokolade
Im vierten Kapitel der Agenda 21 wird festgestellt:„Auf der einen Seite gibt es den ungehemmten, die Natur über Gebühr strapazierenden Konsum, auf der anderen Seite sind große Teile der Weltbevölkerung nicht in der Lage, ihre Bedürfnisse in Bezug auf Nahrung, Gesundheitsfürsorge, Wohnraum und Bildung zu befriedigen“. Ein Aspekt, den der Faire Handel aufgreift. Mancher Kunde oder manche Kundin stellt die Frage: „Warum ist bei Euch die Schokolade teuerer?“ Aber die eigentlichen Fragen nach dem Preis müßten doch heißen: „ Wieso ist die Schokolade in Deutschland seit Jahrzehnten gleich teuer geblieben, andere Waren der hochtechnisierten Welt jedoch nicht?“. „Und weshalb ist es ‘nötig’, das aufwendige Produkt Schokolade zum Schnäppchen-Preis zu ergattern?“ Eine Hinterfragung unserer Konsumgewohnheiten muß die Frage nach dem, was wir uns „leisten“ können, anders stellen und auch die Bedürfnisse der ProduzentInnen im Blick haben. Eine „Agenda-21-Schokolade“ kostet eben mehr, aber sie „schmeckt“ auch den ProduzentInnen.

Wir setzen ein Zeichen.... „ OHNE GENTECHNIK“ .... damit Sie die Wahl habenOhne

Natürliche Lebensmittel stehen bei den Konsumentinnen und Konsumenten hoch im Kurs. Gentechnisch veränderte Produkte werden von vielen abgelehnt, da die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt nicht abzusehen sind. Allerdings ist es nicht einfach, beim Einkauf ein natürliches von einem gentechnisch veränderten Produkt zu unterscheiden.

Damit Sie die Wahl haben, tragen die Reissorten der Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt (gepa) als erste Getreidesorten in Deutschland das Siegel ,, ohne Gentechnik", seit Herbst auch Schokolade und Schokoriegel.

Soja ist die bekannteste gentechnisch veränderte Pflanze, die auch bereits auf dem Markt ist. Doch der Verzicht auf Sojabohnen auf dem Einkaufszettel allein reicht nicht aus, denn aus Soja werden zum Beispiel auch Lezithin und Öle gewonnen, die auf der Zutatenliste vieler Lebensmittel stehen. Soja-Lezithin wird häufig als Emulgator in der Schokoladeherstellung verwendet. Dieser verbindet nicht miteinander vermischbare Stoffe, beispielsweise Fett und Wasser. Um auszuschließen, daß der Emulgator gentechnisch verändert ist, verzichtet die gepa zum Beispiel bei Riegeln und Tafelschokoladen ganz darauf. Wenn die Schokoladenmasse länger gerührt wird und hochwertige Zutaten verwendet werden, müssen Emulgatoren erst gar nicht verwendet werden.Der Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. und das Fair Handelshaus gepa arbeiten in diesem Bereich zusammen zum Schutz der Interessen der Produzenten im Süden und der Verbraucher im Norden.

Die krumme Welt der Banane
Die Banane ist die wichtigste Exportfrucht der Welt. Mehr als 14 Mio. Tonnen werden jähr­lich weltweit exportiert, fast ein Zehntel davon nach Deutschland. Diese Bananen stammen v. a. von großen Plantagen in Lateinamerika. Auf Mensch und Natur wird bei ihrem Anbau wenig Rücksicht genommen: mangelnde soziale Absicherung der Beschäftigten, Einsatz hochgiftiger Pestizide, Übergriffe der Plantagenbesitzer und die Behinderung von Gewerkschaften gehören zum Alltag. Zudem haben die Rodung von Regenwäldem und der intensive Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln schwerwiegende Folgen für die Umwelt.
Im Kapitel 6 der Agenda 21 wird darauf hingewiesen, daß Gesundheit einerseits und Umweltbedingungen andererseits eng miteinander verknüpft sind. Anstrengungen zum Schutz der Gesundheit bzw. der gesundheitlichen Situation dürfen sich nicht in Linderungsprogrammen oder der Behandlung der Erkrankungen erschöpfen, sie müssen vor allem auf Prävention ausgerichtet sein.Wir verfolgen mit unseren Produzenten im Fairen Handel die gemeinsame Umweltschutz-Strategie:
1. Beschränkung auf möglichst umweltschonende Anbaumethoden
2. Kein Raubbau der natürlichen Ressourcen

Wir führen daher weitgehend Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau. Durch natürliche Anbaumethoden ( z.B. Mischkulturen, Stockwerkanbau ) ist ein Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln und Düngemittel nicht so wie in den Großplantagen notwendig. Der Boden wird nicht so einseitig ausgelaugt. Es ist daher nicht notwendig, immer neue Anbauflächen zu gewinnen und dabei z.B. den Regenwald abzuholzen. Das kommt den Produzenten, ihrer Umwelt, dem Weltklima und unserer Gesundheit zu gute.
Beispiel: Bananen aus Fairem Handel
In Ecuador befindet sich die Bananenproduktion noch weitgehend in kleinbäuerlicher Hand. Die Kleinbauerngenossenschaft UROCAL eröffnet den Erzeugern langfristig auch eigene Vermarktungschancen und verfolgt dabei ein Konzept von nachhaltiger Entwicklung: kleinbäuerliche Produktion statt Großplantagen sowie gerechte Preise und eine ökologisch bessere Produktion werden so möglich. Fair gehandelte Bananen von UROCAL sind in deutschen Weltläden erhältlich. Dafür erhalten die Bauernfamilien einen kostendeckenden Mindestpreis. Ein zusätzlicher Mehrpreis fließt in Sozial- und Umweltprogramme von UROCAL. Der Faire Handel unterstützt auch Projekte nachhaltiger Entwicklung in anderen bananenproduzierenden Ländern. Bananen aus Fairem Handel gibt es auch als Bananenchips vom “Panay Fair Trade Center' (PFTC) auf den Philippinen. Die Bananen für die Chips werden von Kleinbauern in Mischkultur ohne Chemieeinsatz angebaut. Sie werden geschnitten, in Kokosöl frittiert und verpackt. PFTC zahlt den Kleinbauern und Arbeitskräften rund 50% mehr als kommerzielle Unternehmen. Außerdem erhalten die Beschäftigten medizinische Betreuung, Sozialleistungen und Fortbildungen. PFTC engagiert sich für die Landlosen auf den Philippinen und setzt sich für eine echte Agrarreform ein.

Die Agenda 21 weist im Kapitel 3 auf die Notwendigkeit einer Langzeitstrategie zur Bekämpfung der Armut hin, die besonders die am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen unterstützt. Zu diesen Gruppen gehören auch arme Kleinbauern, Hirten, Handwerker, Fischergemeinschaften, Landlose, indigene Bevölkerungsgruppen, Wanderarbeiter und der informelle städtische Sektor.- insbesondere Frauen, Kinder und Jugendliche sowie Flüchtlinge innerhalb dieser Gruppen. Der alternative Handel unterstützt viele Frauenkooperativen wie z.B. „La Surenita“ in der Provinz Choluteca im Südosten Honduras. Das trockene Klima in einer der ärmsten Regionen des mittelamerikanischen Landes erlaubt nur geringen Ackerbau. Die wenige Arbeit, die Einkommen ermöglicht, steht fast nur Männern offen. Frauen sind in jeder Hinsicht benachteiligt: 90% konnten nicht einmal die Grundschule durchlaufen, und 70% müssen ihre Kinder ohne Vater großziehen. Mit Hilfe der Caritas und anderer Hilfswerke schlossen sich Frauen in der Region zusammen, um gemeinsam Lohnarbeit zu bekommen. Einige von ihnen begannen 1985 auf Initiative und Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung mit der Verarbeitung von Cashewnüssen, die aus nicht genutzten Cashew-Anpflanzungen stammten.Inzwischen besteht die Dachorganisation La Surenita aus fünf lokalen Kooperativen. 1991 konnten drei Verarbeitungsanlagen für Cashewnüsse in Betrieb genommen werden. Vor ihrer Mitgliedschaft bei La Surenita waren die Frauen kaum außerhalb ihres Haushalts aktiv. Inzwischen organisieren sie die Arbeit - von der Ernte über die Verarbeitung und Verpackung bis hin zur Vermarktung - mit Erfolg selbst. Um den kargen Boden zu verbessern und eigenes Brennmaterial zu erzeugen, haben sie Leguminosensträucher angepflanzt. Geplant sind die Anlage von Gemüsegärten, die Einrichtung eines eigenen Verkaufladens und Alphabetisierungskurse.

Der Faire Handel leistet Hilfe zur Selbsthilfe für Kleinbauerngenossenschaften
Als Beispiel möchten wir die Bauern von UCIRI, ein Zusammenschluß von acht mexikanischen Genossenschaften, vorstellen. Sie waren die ersten, von denen die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt (gepa) Bio-Kaffee bezog. Allen gemeinsam ist die indianische Herkunft ihrer Mitglieder und deren Verwurzelung in traditionellen Vorstellungen von Gemeinschaftsarbeit und Achtung vor der „Mutter Erde“ – beste Voraussetzungen für den Öko-Anbau.
Anfang der 80er Jahre begannen Bauern m südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca, sich zu organisieren.Das größte Problem waren die Zwischenhändler, die Transport und Vermarktung (nicht nur) des Kaffees fest in den Händen hatten. Solidarität untereinander, langer Atem und die Unterstützung des fairen Handels waren notwendig, um UCIRI zu dem zu machen was es heute ist: Eine starke Gemeinschaft mit großer Ausstrahlungskraft in der ganzen Region.Ihr Einflußgebiet umfaßt heute 54 Gemeinden mit ingesamt ca. 3000 Mitgliedern. Aus den Mehrpreiszahlungen des fairen Handels finanziert UCIRI zahlreiche Sozial- und Bildungseinrichtungen, wie zum Beispiel die Landwirtschaftsschule „Centro de Educacion Campesina“.Hier haben junge Menschen die Chance, agrarwirtschaftliches und allgemeines Grundwissen zu erlangen.

Die Förderung der Schulbildung, des öffentlichen Bewußtseins und der beruflichen Aus- und Fortbildung stellt laut der Agenda 21 (Kap.36) eine unerläßliche Voraussetzung für die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung dar.„ Die Einbeziehung der heutigen Jugend in umwelt- und entwicklungspolitische Entscheidungsprozesse und ihre Beteiligung an der Umsetzung von Programmen ist mitentscheidend für den langfristigen Erfolg der Agenda 21“,Wir freuen uns immer über Anfragen von LehrerInnen nach einem „Lerngang“ in unserem Weltladen. Wir können anschaulich machen, wie Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden kann, wie Kleinbauern und Handwerkern bessere Entwicklungschancen gegeben werden können, wie ungerechte Wirtschaftsstrukturen Entwicklung und Schulbildung einschränken.Wir bieten in unserer Infothek Lehrern Materialien an, damit die relevanten Themen im Unterricht und bei Projekttagen anschaulich und interessant eingebracht werden können.Wir zeigen fehlende Zukunftsperspektiven der Kinder in den Entwicklungsländern auf, z.B. durch die Beteiligung an der Aktion Global March 1998 gegen Kinderarbeit, und an der Aktion Fair Play (Herstellung von Fußbällen und Spielzeug ohne Kinderarbeit). Der FAIRKAUF im Weltladen ermöglicht Kindern Schulbidung. "Wenn eine Frau zwei Bolgakörbe an den fairen Handel verkauft, dann kann sie davon für eines ihrer Kinder das Schulgeld für vier Monate zahlen", so Rosemarie Boos von der ghanaischen Produzentenorganisation Getrade Fair Trade Producer Society. Die Mitglieder sehen als ihre Aufgabe die Förderung des traditionellen Handwerks in Ghana. Neben dem bis zu 25 Prozent höheren Preis für ihre aus einem Steppengras geflochtenen Bolgakörbe erhalten die Produzenten jährliche Bonuszahlungen und das Rohmaterial wird von der Getrade Fair Trade Producer Society bis zu 75 Prozent vorfinanziert.

Als Mitarbeiter des Weltladens sind wir selbst Lernende auf dem Weg, die komplexen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Zusammenhänge zu erkennen. Wir sind uns bewußt, daß wir Teil des Prozeßes sind und unser Denken und Handeln sich zu einer tragfähigen Zukunft entwickeln sollte.